Eine Provokation
Matthias Matussek
Aus seiner katholischen Grundüberzeugung hat SPIEGEL-Autor Matthias Matussek nie einen Hehl gemacht. Er hält der hedonistischen Moderne in einem Essay über die „Sieben Todsünden“ eine politisch inkorrekte Gardinenpredigt. Er erläutert, warum Lügen in der Politik nicht lohnen. Er beschreibt die Nacht, in der der alte Papst starb, und beobachtet den neuen beim Besuch in dessen Heimatdorf. In Reportagen schildert er Baptisten und orthodoxe Juden in den USA, Favela-Priester in Rio de Janeiro und das Glaubensduell der Hitchens-Brüder in Grossbritannien.
Da der Glaube eine persönliche Angelegenheit ist, ist auch dieses Buch eine: Matussek erzählt, wie er wurde, was er ist – und legt, auf seine Art, Zeugnis ab.
1. Auflage 2011, Spiegel-Buchverlag, 368 Seiten, sFr. 30.90
ISBN: 978-3-421-04514-0
zu beziehen über den Online-Shop der Buchhandlung Klosterplatz
Kommentar von Ulrich Greiner aus "DIE ZEIT":
Nieder mit der Ironie!
Matthias Matussek verteidigt die katholische Kirche. Unser ironisches Zeitalter ist Bekenntnissen nicht hold. Sichtbar Gläubige, am ehesten unter Muslimen zu finden, kommen einem leicht peinlich oder atavistisch vor. Unter Christen jedenfalls herrscht die Neigung, sich schamhaft zu verbergen oder die Botschaft ins Weltlich-Bekömmliche hinein zu verdünnen.
Anders Matthias Matussek, überzeugter Katholik, überzeugter Spiegel- Redakteur und folglich ebenso streitlustig wie streiterprobt. In seinem Buch Das katholische Abenteuer. Eine Provokation bricht er zahlreiche Lanzen für die katholische Kirche, gerade für ihre schwierigsten Seiten, und lässt den Leser belebt zurück, belebt durch Unerschrockenheit und Witz, durch Leidenschaft und Kenntnis. Matussek erklärt den Begriff der Sünde, verteidigt den Zölibat und die nichtdemokratische Verfasstheit der Kirche, schwärmt für ihre transzendentale, mit dem gängigen Relativismus unvereinbare Wahrheit, nimmt polemisch Partei in der Islamdebatte (für Necla Kelek und Ayaan Hirsi Ali, gegen Christian Wulff ). Einmal zitiert er den späten Benn: "Ich habe mich oft gefragt, woher das Sanfte und das Gute kommt, weiss es auch heute nicht, und muss nun gehen." Ja, woher kommt es? Es kann nur ein Wunder sein, ein Mysterium. Matussek, der einer zugleich liberalen und erzkatholischen Familie entstammt, hat jene dumpfe Verdruckstheit, gegen die Heinrich Böll gekämpft hat, offenbar nicht erlebt oder gnädig übersehen. Sein Buch ist eine Streitschrift, da schenkt man sich die Argumente des Gegners. Gegner hat die Kirche genug; selten und schön, dass einer mit Lust und Schwung daherkommt, ihr beizustehen.“
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