Mittwoch, 14. September 2011

Nirgends, Geliebte, wird Welt sein als Innen

Lebensbilder der Mystik im 20. Jahrhundert

Gerhard Wehr

Mystische Erfahrung ist das Urphänomen allen religiösen Erlebens. Und nicht nur im Mittelalter machten Menschen Erfahrungen mit dem Urgrund des Seins.

Gerhard Wehr stellt 25 Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts vor, die in das Herz aller Religion eindrangen und ihr Leben und Denken im Horizont dieses Bewusstseins gestalteten. Rudolf Steiner, C.G. Jung und Martin Buber, Albert Schweitzer, Rilke, Teilhard de Chardin, Simone Weil, Dag Hammarskjöld, Dorothee Sölle und zahlreiche andere: Wehr erzählt die Biografie dieser Menschen, lässt sie in O-Tönen zu Wort kommen und erschliesst so die Grundlinien ihrer Erfahrungen und ihres Denkens. Ein kleines, lebendiges Handbuch als Ermutigung für die, die eigene Wege in die innere Welt suchen.

1. Auflage 2011, Vandenhoeck & Ruprecht, 176 Seiten, sFr. 21.90
ISBN: 978-3-525-40334-1

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Kommentar von Christina Herzog, CiG:
In den 25 Lebensbildern, die Gerhard Wehr nachzeichnet, geht es um Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, die in ihren Biografien, Berufen, Interessen und Überzeugungen unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch eines teilen: die Sehnsucht und das Ergriffensein in der erlebten Gegenwart Gottes. Auch wenn man eine Begründung des Autors zur Auswahl der betreffenden Personen erwarten würde und sich leider nur zwei Frauen, Simone Weil und Dorothee Sölle, darin finden, überrascht die Zusammenstellung: Hier geht es nicht um weltfremde Sonderlinge, sondern um Personen, die ihr Menschsein mitten in der Welt wie Dietrich Bonhoeff er als „Dasein für andere“ leben. Politiker wie Dag Hammarskjöld,
Wissenschaftler wie Pierre Teilhard de Chardin oder Albert Schweitzer, Theologen wie Nathan Söderblom – sie alle schöpfen Kraft aus dieser inneren Quelle der persönlichen und unmittelbaren Gotteserfahrung. Stimmen aus der Dichtung wie Rainer Maria Rilke und Robert Musil zeigen, wie dieses tiefe religiöse Erleben seinen Ausdruck in der Poesie findet. Auch die östlich-fernöstliche Mystik und Spiritualität beeinflussen und beleben durch ihre vielgestaltigen Formen der Meditation, durch Yoga und Zen die westliche Religiosität. Wie die „Hochzeit von Ost und West“ gefeiert werden kann, ohne die je eigene Identität zu verlieren, wird eindrücklich an Beispielen wie Bede Griffiths, Hugo Enomiya-Lassalle oder dem hindu-christlichen Mönch Henri Le Saux gezeigt. Hier geht es nicht um Synkretismus oder Exotik, sondern um die Offenheit gegenüber einer religiösen Erlebensform, die nicht fremd und neu, sondern seit Beginn auch im Christentum verwurzelt ist.

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